Egidienplatz / SCHLAFENDES NASHORN von Dorota Hadrian

Hübnerstor / Wandmalerei ANIMALIUM von Marcin Czaja

logo Inselkunst

Pegnitz beim Krakauer Haus / Grassinstallation: „FOGGY FLYING ISLAND“  von Thomas May

SCHLAFENDES NASHORN / SPIĄCY NOSOROŻEC

Skulptur von Dorota Hadrian

2016

Die Skulptur des schlafenden Nashorns von Dorota Hadrian, einer Künstlerin aus Kraków, entstand 2016 anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Krakauer Hauses in Nürnberg und des Nürnberger Hauses in Kraków. Kuratiert von Kasia Prusik-Lutz, wurde die Skulptur zunächst auf dem Hans-Sachs-Platz und später vor der Oper präsentiert, bevor sie ihren endgültigen Platz am Egidienplatz fand.

Das Werk erinnert an Albrecht Dürers berühmten Kupferstich Rhinocerus und greift damit eine historische Verbindung zwischen Nürnberg und dem Nashorn als Symbol des Exotischen auf. Doch im Gegensatz zu Dürers kraftvoller Darstellung zeigt Hadrian ein ruhendes Nashorn – erschöpft, friedlich und verletzlich. Seine dicke Haut steht symbolisch für Schutz und Widerstandsfähigkeit, während die ruhende Haltung auf eine tiefere Verletzlichkeit hinweist.

Die Skulptur thematisiert das Fremde und Unbekannte, das plötzlich in eine vertraute Umgebung tritt. Sie lädt Betrachter:innen ein, über kulturelle Begegnungen, Identität und die Grenzen zwischen Fremdheit und Vertrautheit nachzudenken. Das Nashorn wird so zum Sinnbild für die Verbindung zwischen Kraków und Nürnberg – ein Reisender, der nach langer Wanderung in einer neuen Heimat zur Ruhe kommt.

Die Platzierung der Skulptur im öffentlichen Raum macht sie zu einem lebendigen Symbol dieser Partnerschaft. Sie schafft eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Kunst und Alltag, und bereichert die städtische Landschaft um einen poetischen Ort der Reflexion.

Ein Leben ohne Nashorn ist zwar denkbar, aber ungefährlich.
Ein Nashorn im öffentlichen Raum. Ein zahmes Nashorn offenbar, eines, das auf einen Kosenamen – vielleicht Rhino Rihanna? – hört und gerne kuschelt. Alles normal. Noch hat kein chinesischer Apotheker aus seinen Hörnern Potenzmittelchen gemixt, noch schlummert es liebreizend und träumt einen Traum aus Epoxyharz. Man möchte sich geradewegs dazulegen und in seine Achselhöhlen kuscheln. Bloß wehe! Wenn der schlafende Riese erwacht, wenn sich der sanfte Berg in einen gereizten Berserker verkehrt – ein schlecht gelaunter Hofhund ist dagegen wohl nicht mehr als eine erboste Motte. Ob Dürer sich einst bei einer Gelegenheit, die heute in Vergessenheit geraten ist, ein Nashorn als Haustier zugelegt hatte? Dann wäre seine berühmte Zeichnung am Ende ein Suchbild, das an Ampeln und Laternenmasten klebte, als das Tier einmal entwischt war … hoffentlich hat man es wieder gefunden!
/Theobald Fuchs/

 

Die Skulptur des Nashorns, dessen Entstehung durch eine Grafik von Albrecht Dürer inspiriert wurde, verbindet diese historischen und kulturellen Symbole mit einer zeitgenössischen Reflexion. In der osteuropäischen Kultur steht das Nashorn für Empfindsamkeit, Weisheit, geistigen Idealismus, Furchtlosigkeit und Durchsetzungsvermögen. Man glaubte, dass diese Tiere in der Lage seien, den Weg zu verborgenen Quellen zu finden, und ihr Horn wurde als mächtiges Mittel gegen Gifte geschätzt. Diese Eigenschaften machten es nicht nur zu einem Symbol der Heilkunst, sondern auch zu einem Zeichen für Apotheken.

St. Hildegard von Bingen schrieb dem Nashorn besondere Kräfte zu: Sie glaubte, es könne Krankheiten heilen, da es sich einmal im Jahr im Paradies ernähre. Diese symbolische Verbindung von Reinheit und Heilung lässt das Nashorn zu einem Hoffnungsträger werden – nicht nur in der Medizin, sondern auch in einem spirituellen Sinn.

In einer Zeit, in der viele unserer grundlegenden Werte hinterfragt werden, wirft das schlafende Nashorn Fragen nach Heilung und Veränderung in der Gesellschaft auf. Vielleicht trägt sein Erwachen dazu bei, gesellschaftliche „Krankheiten“ zu lindern oder uns zu inspirieren, aktiv zu handeln, um eine bessere Welt zu gestalten.

 

 

Dorota Hadrian, geboren 1984, ist eine polnische Bildhauerin und Szenografin. Sie studierte Bildhauerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau (2004–2010) und erwarb 2021 ihren Doktortitel an der Fakultät für Kunst der Pädagogischen Universität Krakau. Hadrian erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Jan-Matejko-Stipendium im Jahr 2008 sowie Förderungen des Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe in den Jahren 2010 und 2014. Im Jahr 2019 wurde sie mit dem MUZA-Preis des Bürgermeisters von Bytom für ihren Beitrag zur Kunstszene geehrt.

Ihre künstlerische Arbeit beschäftigt sich mit der Neuinterpretation klassischer europäischer Kunst aus einer zeitgenössischen Perspektive. Dabei nutzt sie ikonografische Verweise und kulturelle Anspielungen, um Stereotypen in Kultur und Popkultur zu dekonstruieren. Ihr Werk umfasst diverse Medien wie Skulptur, Video und Malerei und beleuchtet die Vielschichtigkeit gesellschaftlicher Normen sowie deren visuelle Repräsentation.

Derzeit lebt und arbeitet Hadrian in Bytom und ist als Dozentin an der Pädagogischen Universität Krakau tätig. Unter anderem war sie Teil des Projekts „BAZA“ im Zentrum für zeitgenössische Kunst Kronika in Bytom, das sich mit kollaborativen künstlerischen Ansätzen auseinandersetzt.

 

 

ANIMALIUM / ZWIERZYNIEC

Wandmalerei von Marcin Czaja

2024

Foto: Khrystyna Jalowa

 

Der Beginn des 20. Jahrhunderts markierte den Aufstieg des Modernismus, einer Strömung, die Architektur und Design grundlegend prägte. In Deutschland trieben visionäre Architekten wie Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, eng verbunden mit dem Bauhaus, diese Bewegung voran. Sie propagierten die Idee, dass ein Gebäude primär durch seine Funktionalität ästhetisch sein sollte und frei von überflüssigem Zierrat sein müsse.

In Polen hingegen entwickelte sich ein eigenständiger Stil des Modernismus, der moderne Formen mit Elementen verband, die von Volkstraditionen, Spiritualität und slawischen Mythen inspiriert waren. Genau diese Verbindung greift Marcin Czaja in seinem Werk für Nürnberg auf. Das von ihm entworfene Wandgemälde basiert auf Motiven aus Reliefs, die sich über den Türen Krakauer Wohnhäuser finden. Diese Reliefs zitieren einerseits slawische Mythologien, andererseits alltägliche Szenen wie die Darstellung einer Frau bei der Getreideernte.

Die Farbpalette des Wandgemäldes ist von der Natur inspiriert – von Flora und Fauna, die eine zentrale Rolle in der Arbeit spielen. Symbolisch unterstreicht die Position des Wandgemäldes im Tunnel zwischen Wöhrder Wiese, dem grünen und dynamischen Teil Nürnbergs, und der historischen Altstadt, dem kulturellen Herzen der Stadt, den Brückenschlag zwischen Natur und Kultur.

Das Projekt wird kuratiert von Kasia Prusik-Lutz und ist ein Sinnbild für den Dialog zwischen Tradition und Moderne sowie zwischen den Städten Krakau und Nürnberg.

 

Marcin Czaja

geboren 1983 in Częstochowa. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau im Fachbereich Malerei, wo er derzeit als Dozent im Ersten Malereiatelier unter der Leitung von Prof. Mirosław Sikorski arbeitet. Seinen Magisterabschluss machte er 2011 im Atelier von Prof. Jacek Waltos. 2021 verteidigte er unter der Leitung von Prof. Mirosław Sikorski seine Doktorarbeit mit dem Titel „Limbo – das Bild als räumliches Objekt“. Er ist Autor vieler Wandgemälde in ganz Polen. Neben der monumentalen Malerei beschäftigt er sich auch mit Zeichnung und Grafikdesign.

Grafik: Muralskizze (fragment)  von Marcin Czaja

 

 

FOGGY FLYING ISLAND

Kunstinstallation von Thomas May

2025

Diesmal wird eines der im Rahmen von Inselkunst entstandenen Werke länger bei uns bleiben.
So wie einst das Nashorn von Dorota Hadrian (INSELKUNST 2016), das sich am Egidienplatz befindet, wird nun die Insel „FOGGY FLYING ISLAND“ von Thomas May (INSELKUNST 2025) die Stadtlandschaft dauerhaft bereichern.

Die Stadt Krakau sowie der Künstler haben das Werk der Stadt Nürnberg übergeben.
Inselkunst hat damit sein neues Symbol erhalten – eine greifbare Insel!

Thomas May platziert seine „FOGGY FLYING ISLAND“ direkt auf der Pegnitz zwischen Sacharow-Platz und Krakauer Haus – eine schwebende Insel aus Eisen, Gras und Nebel. Die Installation erzeugt durch ihr automatisiertes Nebelsystem eine geheimnisvolle, fast schwebende Atmosphäre mitten im Flussraum.

Im Frühling, sobald es das Wetter zulässt, werden wir den Nebel wieder aktivieren, der dem Werk seine besondere Magie verleiht.

Ein herzliches Dankeschön an den Künstler Thomas May, die Stadt Nürnberg und die Stadt Krakau für die Unterstützung dieses Projekts.

Kuratorisch wird das Projekt INSELKUNST seit seiner Entstehung im Jahr 2016 von Kasia Prusik-Lutz begleitet.

Foto: Khrystyna Jalowa

Thomas May

Bildender Künstler mit Schwerpunkt auf Kunst im öffentlichen Raum und interdisziplinären Projekten. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und realisiert seit vielen Jahren nationale und internationale Kunstprojekte.