23 JANUAR – 21 FEBRUAR 

 

Das Filmhaus Nürnberg und das Kulturzentrum Krakauer Haus veranstalteten gemeinsam eine Werkschau mit Filmen des mehrfach ausgezeichneten Regisseur Stanislaw Mucha.

Am 23.1. im Filmhaus gab es ein Publikumsgespräch nach dem Film „Zigeuner“ – das Gespräch mit Stanislaw Mucha moderierte Christiane Schleindl. Fotos: Krzysztof Nowak

Bekannt wurde Mucha vor allem durch seine schwarzhumorigen Dokumentationen. Dabei beherrscht er die Kunst, die gezeigten Protagonisten trotz vieler skurriler Momente nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, sondern stattdessen eher philosophische Parabeln zu schaffen. 

Das Leben Europas an den Schnittstellen zwischen Ost und West ist oft Thema seiner Filme.Am populärsten sind wohl Absolut Warhola (2001), in dem er der Pop-Ikone Andy Warhol in der Slowakei nachspürt und Die Mitte (2004), in dem er Orte aufsucht, die alle für sich allein in Anspruch nehmen, die „wahre Mitte“ Europas zu sein. Diese beiden Filme, wie auch sein Film Mit „Bubi“ heim ins Reich (2000) über den Himmler-Gefolgsmann Ludorf von Alvensleben, seine Kurzfilme Der Tisch (1998), Ein Wunder und sein wunderbares Spielfilmdebüt Hope (2007) werden im Februar zu sehen sein. Stanislaw Mucha war Regieassistent beim Staatstheater Krakau, bevor er an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam studierte. Er lebte einige Jahre in Gumpertsreuth in Franken, bevor er nach Berlin zog. Trotz der ernsten Themen, sind sowohl Muchas Dokumentarfilme als auch sein Spielfilmdebüt von einer gewissen Leichtigkeit: „…der größte Dokumentarfilmer der Welt ist sowieso für mich Chaplin, und so habe ich auch versucht, zu beweisen, dass die Wirklichkeit trotz der Ernsthaftigkeit des Daseins und eines Themas unterhalten kann und unterhaltsam sein kann.“ 

PROGRAMM

Filmreihe Absolut Mucha im FILMHAUS Nürnberg

ZIGEUNER
Deutschland 2007, 92 Min., OmU

Stanislaw Mucha hat für das Kino eine besondere, wundersame Art des Reisens entwickelt. Es ist ein bisschen, als würde Alice nicht ins Wunderland, sondern in eine ziemlich ungeschminkte Wirklichkeit fallen: Mit einem ganz und gar offenen, skeptischen und bezauberten Blick. Der Trick dabei ist es, dass der äußere Anlass und das, was man entdecken kann, nicht in einem logischen, sondern in einem poetischen Zusammenhang stehen. Eine vergleichbare Absichtslosigkeit bestimmt die Reise auch in Zigeuner, ein Besuch bei verschiedenen Dörfern und Ghettos der Roma in der slowakischen Provinz, die sich, so sagen es zumindest die Kinder, hier lieber Zigeuner nennen. Mucha kommt ganz ohne »Thema« aus, er fragt, sieht, bleibt, weiß immer die rechte Distanz zu wahren und die rechte Nähe zu finden.

Er lässt die Menschen vor seiner Kamera ihre Ansichten und Vorwürfe formulieren, er ist wie immer auf der Seite der Menschen, ohne sich zu ihrem Anwalt zu machen, er beobachtet, ohne uns zum Voyeur zu machen, er zeigt, ohne zu demonstrieren. Georg Seeßlen 

Sa., 23.1. um 19.15 Uhr in Anwesenheit von Stanislaw Mucha

POLNISCHE PASSION
Deutschland 1996, 160 Min., OmU, 

„Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg tauchte in Grzybowszczyzna, dem kleinsten Dorf in Ostpolen, ein Bauernprophet namens Elija Klimowicz auf. Der „polnische Rasputin“ baute eine private Kirche, vollbrachte Wunder und gründete in Wierszalin eine Sekte, die schnell in Konflikt mit den orthodoxen Popen geriet. 

Der Mythos des Propheten Elija, der unter mysteriösen Umständen im September 1939 plötzlich verschwand, ist noch immer lebendig – bei seinen Jüngern genauso wie bei seinen Feinden.

Muchas Recherche auf den Spuren des Propheten Elija ist voll von Wundern, von Leben und von Mythologie. Sie führt in die Gegenwart, hat kein Ende und skizziert ein fundamentales Thema der Menschheit im 20. Jahrhundert: eine Gruppe von Menschen, die ihr Leben entsprechend ihren Träumen gestalten wollen.“ Internationales Forum/Berlinale 1997

So., 24.1. um 11 Uhr

MIT BUBBI HEIM INS REICH 
Deutschland 1999, 79 Min.

„Er war der Größte“, sagen sie noch heute über ihn. Etliche von denen, die alt genug wurden oder sich ausreichend informiert glauben, beschreiben Ludolf von Alvensleben, genannt „Bubi“, als stattlich-schlanken Zwei-Meter-Hünen mit dem Schick des geborenen Uniformträgers. Wie kaltblütig er tatsächlich war, hat die Geschichtswissenschaft längst zweifelsfrei ermittelt: Als enger Gefolgsmann Heinrich Himmlers setzte der Massenmörder mit dem freundlichen Spitznamen die Vernichtung Zigtausender von Polen und Russen ins Werk.

Ein Nachkomme „Bubis“ aus der Enkel-Generation, Hubertus von Alvensleben begann zu recherchieren.Weil er kein Polnisch spricht, suchte er per Annonce nach einem Lehrer und fand ihn im Regisseur Stanislaw Mucha. Als der Unterricht fruchtlos blieb, stellte sich Mucha als Dolmetscher auf gemeinsamen Reisen zur Verfügung; sein Entgelt: die filmische Dokumentation der Spurensuche in Deutschland, Polen, Lateinamerika. Dem „Familientag“ – einer Art Sippenparlament – wollte Hubertus das Filmergebnis vorführen. Doch niemand mochte es sehen… Michael Thumser 

DO. 11.2, um 19.15 Uhr, FR. 12.2. um 17.00 Uhr

Absolut Warhola 
Deutschland 2001, 

Stanislaw Muchas dokumentarische Komödie spürt in den Dörfern der Slowakei den Wurzeln der amerikanischen Pop-Ikone Andy Warhol nach, dessen Sippe schon immer hier lebte und immer hier leben wird. Die Tanten, Vettern und Kusinen haben Zeit im Übermaß, sie haben Schnaps und haben einander, sie haben keine Arbeit – aber sie haben jeder eine eigene vage Ahnung von Warhol: Sein Name wurde für sie zum Mythos, zur Vision, zum greifbaren Grad der Verwandtschaft mit der unbegreiflich fernen, großen, unverstandenen Welt … Nana A.T.Rebhan, Arte TV 

DO. 18.2. um 17.00 Uhr, Fr. 19.2 um 19.30 Uhr, So 21.2. um 21.15 Uhr

Die Mitte 
Deutschland 2004, 85 Min 

Zwei Jahre lang war der Dokumentarfilmer Stanislaw Mucha mit seiner Kamerafrau quer durch Europa unterwegs, um all die Orte zwischen der Ukraine und Deutschland aufzusuchen, die behaupten, genau in der Mitte Europas zu liegen. Auf seiner kurzweiligen, mal burlesken, mal tragikomischen Odyssee kreuz und quer durch das neue osterweiterte Europa begegnet er Spinnern und Visionären, lokalpatriotischen Kleingeistern und Kontinentalutopisten.

SO. 14.2. um 19.00 Uhr, MO. 15.2. um 17.00 Uhr, MI. 17.2. um 17.00 Uhr

REALITY SHOCK
Deutschland/Polen 2005, 79 Min., OmU

Nach Absolut Warhola (2001) und Die Mitte (2003) ist Reality Shock der dritte Teil der Europa-Trilogie des Regisseurs. Ihm ist mit dem Film eine wunderbar absurde dokumentarische Komödie gelungen, die im östlichen Grenzgebiet Polens spielt. Gleichzeitig ist der Film Muchas Kommentar zu Polens EU-Beitritt: Eigenwillige, weltfremde Menschen werden durch die politischen und ökonomischen Veränderungen aus Isolation und Stagnation herausgerissen. Ängstlich, ratlos, lakonisch oder auch gleichgültig erproben sie nun den Umgang mit der neuen Zeit – auf ihre eigene skurrile Weise. „Wie ein Ufo ist die Europäische Union im Osten gelandet. Nach 1989 haben wir Polen das 19. Jahrhundert in zwei Wochen hinter uns gebracht“, so Mucha.

Mit seinem Treatment zu Reality Shock gewann Mucha 2003 den 1. Preis im Dokuwettbewerb des Bayerischen Rundfunks. 
So., 24.1. um 17.00 Uhr

HOPE
Deutschland/ Polen, 2007, 101 Minuten

Nach einigen Dokumentarfilmen mit hohem Aufmerksamkeitswert hat sich der deutsch-polnische Regisseur Stanislaw Mucha („Absolut Warhola“) an sein Spielfilmdebüt herangewagt. Sein Kriminaldrama „Hope“, in dem es um Schuld, Vertrauen und – wie der Titel vermuten lässt – Hoffnung geht, war auf dem Internationalen Filmfestival Moskau für den Goldenen St. Georg nominiert. Der Film diskutiert über Humanismus und Nächstenliebe in Zeiten der Korruption und überzeugt als Kunst-Drama mit biblischen Referenzen. Er erzählt von einem jungen Mann, der Zeuge eines Kunstdiebstahls wird – doch statt die Polizei zu verständigen, glaubt er an die eigene Überzeugungskraft, den Dieb zur Rückgabe zu zwingen.

SA. 20.2. um 17.00 Uhr, SO. 21.2. um 19.00 Uhr