navi3x1.gif
   

26.04
Do

19.00 Uhr
FILMHAUS-KINO

Hist. Drama , Deutschland/Polen 2006

 
Streik. Die Heldin von Danzig
Produktion
Jürgen Haase
 

Es sind oftmals die Frauen, die den Stein ins Rollen bringen... Eine Ballade nennt Volker Schlöndorff seinen auf wahren Begebenheiten beruhenden Film über die Anfänge der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc. Die glänzende Katharina Thalbach spielt die Schweißerin Agnieszka, die ohne es wirklich zu wollen zu einer der wichtigsten Figuren im Kampf gegen das System wird und sich im Laufe des Films von einer vielfach ausgezeichneten Heldin der Arbeit zu einer Heldin der Arbeiter entwickelt. Auf der wichtigsten polnischen Werft ist Agnieszka eine Vorzeigearbeiterin. Das Plansoll erfüllt sie manchmal zu 270%, was der kleinen, resoluten Frau immer neue Auszeichnungen des Betriebsrat, aber auch unwirsche Blicke ihrer Kolleginnen einbringt, die einem anderen Motto folgen: „Die tun so, als würden sie uns bezahlen, wir tun so als ob wir arbeiten würden.“
Allein ihrem Gewissen und ihrem Gerechtigkeitssinn folgend wird Agnieszka immer tiefer in die sich entwickelnde Arbeiterbewegung involviert. Erst geht es nur um eine verlängerte Mittagspause und um fehlende Toiletten, schnell jedoch wird der Einsatz höher. Beim ersten Streik im Jahre 1970 sterben bereits mehrere Arbeiter, der eigentliche Kampf, der in der Gründung der Solidarnosc kulminiert und den Elektriker Lech (Andrzej Chyra) zum Führer der polnischen Unabhängigkeitsbewegung machen wird, steht noch bevor.

Hintergrund:

17.000 Beschäftigte der Danziger Lenin-Werft legen am 14. August 1980 die Arbeit nieder und stellen wirtschaftliche, soziale und politische Forderungen. Das überbetriebliche, vereinigte Streikkomitee mit Lech Walesa an der Spitze , erwirkt am 31. August 1980 beachtliche Zugeständnisse vom stellvertretenden polnischen Ministerpräsidenten Mieczyslaw Jagielski. Das „Danziger Abkommen“ ermöglicht es, im September die Gewerkschaft „Solidarnosc“ zu gründen.

Erneut zieht es Volker Schlöndorff in die polnische Hafenstadt Danzig, wo er schon für seinen größten Erfolg „ Die Blechtrommel “ drehte. Nicht zuletzt durch diese Erfahrung, die ihn Ende der Siebzigerj ahre zum unmittelbare n Zeuge n der sich aufheizenden Situation werden ließ, dürfte der Ausgangspunkt für diesen Film gewesen sein. Vor allem aber die faszinierende Lebensgeschichte einer Frau, die mit ihrem unbestechlichen Gerechtigkeitssinn Katalysator für einschneidende Entwicklungen war, ohne jemals einen Platz im Rampenlicht zu wollen.

Dauer
104 Min.
 
Regie
Drehbuch
Andreas Pflüger, Sylke Rene Meyer
Musik
Jean Michel Jarre
Kamera
Jacek Lachowicz

Darsteller: Katharina Thalbach, Andrzej Chyra, Dominique Horwitz, Andrzej Grabowski, Dariusz Kowalski

 
     
     
 

Volker Schlöndorff wurde in Wiesbaden geboren, wuchs in Schlangenbad im Taunus auf und besuchte später das Gymnasium in seinem Geburtsort. 1956 ging er im Rahmen eines Schüleraustausches nach Frankreich, blieb dort aber insgesamt zehn Jahre und schloss die Schule in Paris mit dem Baccalauréat ab. In Paris studierte er politische Wissenschaften und besuchte das Institut des Hautes Etudes Cinematographiques (IDHEC), an dem er Louis Malle kennenlernte.

1960 drehte er unter dem Pseudonym Volker Loki den Kurzfilm „Wen kümmert's“ über Algerier in Frankfurt, der wegen „Parteinahme gegen eine befreundete Nation“ keine Freigabe der FSK erhielt. Er arbeitete als Assistent von Ludwig Berger, Louis Malle, Jean-Pierre Melville und Alain Resnais. 1963/64 schrieb er an seinem ersten Drehbuch für „Der Junge Törless“ nach dem Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von Robert Musil, für das er eine Prämie erhielt, die ihm später die Realisierung des Projektes ermöglichte. Der Film wurde mehrfach ausgezeichnet und gilt als der erste internationale Erfolg des jungen deutschen Films.

Im Jahr 1969 gründete Schlöndorff mit Peter Fleischmann die Produktionsfirma Hallelujah-Film GmbH und 1974 mit Reinhard Hauff die Bioskop-Film GmbH, mit der er seither unter Leitung von Eberhard Junkersdorf seine Produktionen abwickelte.

Schlöndorff engagierte sich auch filmpolitisch und vertrat von 1974 bis 1978 die SPD-Bundestagsfraktion als Delegierter im Vorstand der Filmförderungsanstalt. Mit seinem Film „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ produzierte Schlöndorff 1975 gemeinsam mit Margarethe von Trotta, mit der er von 1971 bis 1991 verheiratet war, einen großen Publikumserfolg. Von der Springer-Presse und der CDU wurde er wegen seiner Unterstützung des „Rechtshilfefonds für die Verteidigung politischer Gefangener“ heftig kritisiert.

Für Schlöndorffs internationalen Durchbruch steht seine Verfilmung des Romans „Die Blechtrommel“ von Günter Grass (siehe Die Blechtrommel (Film)). Ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes 1979 und mit einem Oscar für den besten ausländischen Film markiert die Blechtrommel einen Höhepunkt der internationalen Anerkennung des deutschen Films. Die Blechtrommel hatte er 1979 in Danzig gedreht. In die polnische Werftstadt kehrte er 2005 zurück, um die Geschichte von Anna Walentynowicz zu verfilmen. Der Film soll 2007 unter dem Titel Strajk – Die Heldin von Danzig in die Kinos kommen. Schlöndorffs nächstes internationale Großprojekt wird 2007 die Verfilmung des Romans Die Päpstin sein. Bernd Eichinger produziert diesen Film mit Franka Potente in der Titelrolle.

Volker Schlöndorff produzierte unzählige Dokumentarfilme und war Vorsitzender der UFA Studios in Babelsberg. Seit 2001 lehrt er als Professor für Film und Literatur an der European Graduate School in Saas-Fee. Für die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin ist Schlöndorff als Dozent tätig.

Schlöndorff war lange Mitglied der SPD. im Wahlkampf 2005 unterstützte er jedoch öffentlich Angela Merkel.

Ende Januar 2007 ergriff Schlöndorff Partei für die Haftentlassung des ehemaligen RAF Angehörigen Christian Klar der seit 1982 inhaftiert ist. (Quelle: Wikipedia)