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23.04
MI

20.00 Uhr
Cinecitta

KATYN

Spielfilm, Polen 2007


Bereits die erste Szene vermittelt lähmende Ausweglosigkeit: Auf der Grenzbrücke treffen Polen auf der Flucht vor den Sowjets auf Landsleute auf der Flucht vor den Deutschen, die nach dem Hitler-Stalin-Pakt am 1. September 1939 in Polen einmarschiert waren. Polen wird zwischen den beiden Großmächten zermalmt, das polnische Heer nun auch von den Sowjets entwaffnet und die Kriegsgefangenen in die Sowjetunion abtransportiert. Danach wird in Krakau die intellektuelle Elite verhaftet. Zurück blieben Frauen und Kinder, die offiziell nie erfahren sollen, was mit ihren Männern, Väter und Söhnen geschah.

Im Frühjahr 1940 wurden in der Nähe von Katyn, einem Dorf nahe Smolensk, mehrere Tausend polnischer Offiziere und Intellektuelle, durch Erschießung hingerichtet. Andere wurden in ostpolnischen Gefängnissen durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD getötet.

Regisseur Andrzej Wajda, der 2000 den Oscar fürs Lebenswerk erhielt und auf der Berlinale 2006 den Goldenen Ehrenbären, trug die Idee, einen Film über Katyn zu drehen, jahrelang mit sich. Sein Vater gehörte zu jenen durch den von hinten abgefeuerten Genickschuss getöteten Offizieren.

Wajdas Interesse gilt jedoch auch den Überlebenden des Massakers, die mit der offiziellen Lüge weiter leben mussten. Die Hauptfiguren sind drei Witwen, Ehefrauen der ermordeten Offiziere. "Katyn'" erzählt eindrucksvoll, wie die Familien auch nach Kriegsende weiter um die Erinnerung an ihre Männer kämpfen, gegen die offizielle sowjetische Geschichtsversion, die das Massaker noch bis 1990 den Nazis zuschrieb.

Schaurige Musik von Penderecki untermalt die Bilder – der Komponist wollte den Soundtrack zu Andrzej Wajdas neustem Film aus persönlicher Betroffenheit beisteuern. Wie Wajda hat auch Penderecki im Wald von Katyn bei Smolensk enge Familienmitglieder verloren.

Regie

Produktion
Akson Studio, TVP S.A.
Dauer
117 Min.
Drehbuch
Andrzej Wajda, Wladyslaw Pasikowski, Przemyslaw Nowakowski
Musik

Krzysztof Penderecki

Kamera

Pawel Edelman, Marek Rajca

Darsteller:

Andrzej Chyra, Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski, Danuta Stenka, Jan Englert, Magdalena Cielecka, Agnieszka Glinska, Pawel Malaszynski, Maja Komorowska, Wladyslaw Kowalski, Antoni Pawlicki, Agnieszka Kawiorska, Siergiej Garmasz, Krzysztof Globisz, Krzysztof Kolberger



Preise und Auszeichnungen

  • Oscar Nominierung 2007

 
     
     
     
 

Andrzej Wajda

Andrzej Wajda wurde als Sohn einer Lehrerin und eines Offiziers geboren. Einer der bedeutendsten Künstler der Filmgeschichte. Träger des Oscar-Preises für das künstlerische Gesamtwerk.

Film- und Theaterregisseur, Drehbuchautor und Maler. Mitbegründer der "polnischen Filmschule", die er mit dem Film Kanal / Der Kanal (Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes 1957) einleitete, und eines politischen Kinos, das sich entschieden für eine Veränderung der politischen Verhältnisse in Polen aussprach (Czlowiek z zelaza / Der Mann aus Eisen, 1981).

Mitglied der französischen Akademie der schönen Künste und Ritter der französischen Ehrenlegion.

Drei seiner Filme wurden für den Oscar nominiert: (Panny z Wilka / Die Mädchen von Wilko, Ziemia obiecana / Das gelobte Land sowie Czlowiek z zelaza / Der Mann aus Eisen). Er erhielt die Goldene Palme von Cannes (für Czlowiek z zelaza / Der Mann aus Eisen), die Silberne Muschel von San Sebastian (für Wesele / Die Hochzeit) und den französischen César (für Danton).

Er wurde mehrfach für sein Gesamtwerk ausgezeichnet: mit dem César (1982), dem Felix (1990), dem Goldenen Löwen von Venedig (1998) und dem Oscar (2000). Nach 1989 kehrte er in seinen Filmen zu einem der Schwerpunkte seines Schaffens zurück: der Verfilmung von Werken der polnischen Literatur. In den letzten Jahren zogen seine Adaptionen nationaler Klassiker - sowohl Pan Tadeusz (1999), nach dem romantischen Epos von Adam Mickiewicz, als auch Zemsta / Die Rache (2002), nach einer Komödie aus dem 19. Jahrhundert von Aleksander Fredro (mit Roman Polanski in einer der Hauptrollen) - Millionen polnischer Zuschauer in die Kinos.

1972 in Nürnberg drehte Wajda den Film PILAT I INNI / PILATUS UND ANDERE - EIN FILM FÜR KARFREITAG nach Michail Bulhakovs MEISTER UND MARGARETHE.

Von Oktober 2006 bis Januar 2007 liefen die Dreharbeiten zu seinem Film über das Massaker von Katyn. Der Film kam am 17. September 2007 unter dem Titel Katyn in die polnischen Kinos; im Januar 2008 wurde die Nominierung von "Katyn" für den Oscar als "Bester fremdsprachiger Film" bekanntgegeben.

Der Vater des Regisseurs wurde von den sowjetischen Militärs 1940 beim Massaker von Katyn ermordet.