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26.04
SA

19.00 Uhr
Cinecitta

 

Gläserner Mund
(Szklane Usta, Glass Lips)

Spielfilm auf der Basis von 33 Videoarts –
Blut des Dichters (Blood of a Poet, Krew Poety),
Polen 2007
26.04, nach dem Film: Publikumsgespräch mit dem Regisseur, Lech Majewski
Zusätzliche Termine im Filmhauskino
(im K4, Königstraße 93, Tel.: 09 11/ 2 31 58 23)
Glass Lips
- Fr. 2.05, 19.15
Angelus - Sa. 3.05, 17.00 (mehr über Angelus >>)


Der Film "Glass lips" entstand als 33 Videoarts, dessen Premiere im Museum of Modern Art in New York stattgefunden hat, der prestigeträchtigsten Galerie für moderne Kunst weltweit. Die Präsentation war ein Teil der Retrospektive des Gesamtwerks von Lech Majewski.

Hauptfigur der eindruckstarken, symbolischen Bilder ist ein junger Dichter, eingesperrt in einer psychiatrischen Klinik. Auf der Leinwand erscheinen Szenen, die in seiner Imagination entstehen und die reale Umgebung mit seinen Träumen, Obsessionen, Wahnbildern und Ängsten verschmelzen lassen. Aus der Tiefe des Unterbewusstseins strömen die Erinnerungen an die traumatisierende Kindheit, die religiöse Erziehung erscheint als ein Instrument der Unterdrückung.

Der Überfluss an Bildern und Symbolen, dem ein moderner, gebildeter und empfindsamer Mensch ausgesetzt ist, bewirkt in seinen Gedanken eine seltsame Vermischung von Sacrum und Profanum. Immer wieder kehrt das Motiv der Kreuzigung zurück und lässt den Film als eine Erzählung von einer Welt erscheinen, in der sich Menschen gegenseitig verletzen und erniedrigen: der Mann nutzt die Frau aus, der Vater den Sohn - und alle bestrafen sich gegenseitig. Die mögliche Fülle der Assoziationen und Interpretationen ist jedoch viel breiter und kann auch aus eigenen Erfahrungen und Wertvorstellungen der Zuschauer entstehen.

Es fällt kein einziges Wort in dem Film – beim Eintauchen in die Welt der visuellen Assoziationen begleiten den Zuschauer die Musik und die kreativ und phantasievoll komponierten Klänge.

 

Regie

Produktion
Lech Majewski
Dauer
115 Min.
Drehbuch
Lech Majewski
Musik

Józef Skrzek,
Lech Majewski

Kamera

Lech Majewski

Darsteller:
Patryk Czajka, Grzegorz Przybyl, Joanna Litwin, Ryszarda Celinska, Leonard Brzoza, Werner Widera, Dorota Lis, Michalina Rutkowska, Tadeusz Plawecki, Marian Makula

 

 
     
     
     
 

Lech Majewski

international bekannt für seine Filme und Videoarbeiten, für die er Drehbücher schreibt, Regie führt, hinter der Kamera steht und Musik komponiert.

Geboren am 30. August 1953 in Katowice. Regie-Studium an der Filmhochschule in Łódź. Arbeitet als Regisseur beim Theater, Film und an der Oper. Er ist Dichter, Schriftsteller, Maler und arbeitet sowohl in Polen als auch im Ausland. Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen, sowie intensive Arbeit am Theater. Hier führte er unter anderem Regie an der Oper, für die er auch Szenenbilder entwarf, Libretti und Musik schrieb. 1981 wird er mit seinem Spielfilm-Debüt „Der Ritter“ nach Oxford eingeladen. Nach der Erklärung des Kriegszustandes in Polen kehrt er nicht in seine Heimat zurück. 1982 führt er auf einer Barke an der Themse in London seine eigene Version der Odyssee vor (Erstaufführung im Jahre 1977 im Theater „Studio“). Kurz darauf bekommt er die Einladung nach Hollywood. 1987 führte er Regie seines ersten in Amerika gedrehten Films „Der Flug der Fichten-Gans“ nach seinem eigenen Buch „Kastania“. Danach dreht er ein Gangster-Drama „Prisoner of Rio“ – Eine Biographie des Ronald Biggs. Im Jahre 1995 ist er als Drehbuchautor und Produzent an der Produktion des Films „Basquiat – ein Tanz mit dem Tod“ von Julian Schnabel beteiligt.

Seine autobiographische Oper „Das Zimmer der Rehe“ (1997) wird als ständige Exposition im Museum der Gegenwartskunst in Buenos Aires ausgestellt.

Der in schwarz-weiß 1999 gedrehte Film „Wojaczek“ brachte ihm 23 Auszeichnungen auf den internationalen Festivals und die Mitgliedschaft der Europäischen Filmakademie. Im Jahre 2000 realisierte er den Film „Angelus“ (präsentiert während der 1. polnischen Filmwoche) und 2003 „Den Garten der Lüste“.

Im 2005 wurden zwei große Retrospektiven der Arbeiten von Lech Majewski veranstaltet: die erste in Buenos Aires und Mar del Plata in Argentinien, die zweite in London. In London liefen seine Filme gleichzeitig an der Britischen Filmakademie, in den Riverside Studios und den Curzon Cinemas, während die Whitechapel Art Gallery seine Videoarts zeigte.

Ein Jahr später erhielt das Werk von Janusz Majewski die Anerkennung der prestigeträchtigsten Gallerie der Welt: The Museum of Modern Art in New York veranstaltete im Mai 2006 eine individuelle Retrospektive seiner Arbeiten. Zur Eröffnung erfolgte die Premiere von " Blood of a Poet", Videoarts, die später die Grundlage für den Film "Glass Lips" bildeten. Die 33 Videoarts liefen gleichzeitig auf mehreren Wänden und großen Monitoren. Der MoMA - Kurator Laurence Kardish sagte zu den bewegenden Bildern, dass sie "die Gebiete der Psyche des modernen Menschen erforschen, die von anderen Medien vernachlässigt werden".

"Blood of a Poet" wurde im 2007 während der Berlinale gezeigt und wurde Teil der Weltkunstausstellung Biennale in Venedig.

"Die Arbeit als Regisseur erfordert eine Menge Verschnitt und auch eine gewisse Abscheu vor seinem Material. Nur wenn man das Drehbuch nicht mag, entsteht etwas wirklich Gutes." (Lech Majewski)

 

Polen - Dziennik | 11.06.2007
Lech Majewski über die Nicht-Darstellbarkeit der Welt:

"Ich erzähle von meinen eigenen, sehr persönlichen Empfindungen. Ich bemühe mich, tief in die menschliche Psyche vorzudringen. Oft entdecke ich helle und dunkle Seiten, die durch die Vielfalt ihrer Bedeutungen beeindrucken. Ich glaube fest an die Nicht-Darstellbarkeit der Welt – der Erfahrungen, Ansichten und Bilder, aus denen der Mensch besteht. Deshalb biete ich den Zuschauern selten eine wörtliche Übermittlung an, die etwas direkt suggeriert. Ich hege immer mehr Abneigung gegen das Wort an sich. Das Wort begrenzt uns durch seine Linearität und durch den Missbrauch. In 'KrewPoety' und 'Szklane Usta' benutze ich keine Worte und erweitere dadurch das Feld der Bedeutungen."