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im
Filmhauskino:

Sa. 3.05. 2008

17.00 Uhr

Komödie, Polen 2001

  Angelus
Regie Lech Majewski  

 

Produktion SPInka  

Der Film basiert auf echten Begebenheiten während der 30-ger Jahre in Schlesien und in den ersten Nachkriegsjahren. Er zeigt das erstaunliche Phänomen der zu dieser Zeit im schlesichen Janow existierenden okkultistischen Gemeinde. Der Elektriker aus der hiesigen Kohlengrube, Teofil Ociepka, erreicht den Einweihungsgrad des "Geheimen Meisters" und versammelt um sich eine immer größer werdende Anhängerschar.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird Janow zu einem wichtigen Zentrum des Okkultismus, zu einer bunten Oase in der grauen stalinistischen Wüste, zu einem spiritistischen Abenteuer. Die Eingeweihten wissen, wie man die Welt vor dem Untergang retten kann - man muss nur einen unschuldigen jungen Mann finden und ihn an den Ort bringen, an dem der apokalyptische Blitz einschlagen wird. Nackt. Und diese besagte Stelle erweist sich ausgerechnet als Sitz der Arbeiterpartei...

Gesprochen wird der schlesische Dialekt, der herrlich aus dem Polnischen und aus dem Deutschen schöpft. Die Übersetzerin übertrug die Dialoge (Untertitel) ins Hochdeutsch, diese Besonderheit wird also nur dem polnischsprachigen Publikum zugänglich - oder dem aus Schlesien stammenden...

Die wunderschönen, poetischen Bilder, die wie bewegte Malereien wirken, sprechen jedoch eine universelle, non-verbale Sprache. Der Film ist ein poetisches Manifest der Vorstellungskraft, betont die Freiheit der tagtäglichen Suche nach einem Sinn, nach dem Geheimnisvollen und widersetzt sich dem Materialismus und den Totalitarismen.

Lech Majewski bringt die Metaphysik in die Kohlengruben, in die "Familoki" (ein herrliches schlesisches Wort für Familienwohnhäuser, Siedlungshäuser für mehrere Familien),  vermischt sie mit einem recht obszönen, derben Sinn für Humor und einer Prise sexueller Phantasien der Protagonisten - und so entsteht ein ungewöhnliches, malerisches Märchen für Erwachsene.

Dauer 110 Min.
Drehbuch Lech Majewski,
Bronisław Maj,
Ireneusz Siwiński
Musik

Józef Skrzek,
Lech Majewski

Kamera

Adam Sikora

Darsteller:
Jan Siodlaczek,
Jacenty Jędrusik,
Grzegorz Stasiak,
Andrzej Mastalerz,
Andrzej Skupiński,
Marian Makula,
Tadeusz Pławecki,
Małgorzata Madejowska,
Elżbieta Okupska,
Małgorzata Gadecka,
Barbara Świąs  

 
     
     
     
 

Lech Majewski

international bekannt für seine Filme und Videoarbeiten, für die er Drehbücher schreibt, Regie führt, hinter der Kamera steht und Musik komponiert.

Geboren am 30. August 1953 in Katowice. Regie-Studium an der Filmhochschule in Łódź. Arbeitet als Regisseur beim Theater, Film und an der Oper. Er ist Dichter, Schriftsteller, Maler und arbeitet sowohl in Polen als auch im Ausland. Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen, sowie intensive Arbeit am Theater. Hier führte er unter anderem Regie an der Oper, für die er auch Szenenbilder entwarf, Libretti und Musik schrieb. 1981 wird er mit seinem Spielfilm-Debüt „Der Ritter“ nach Oxford eingeladen. Nach der Erklärung des Kriegszustandes in Polen kehrt er nicht in seine Heimat zurück. 1982 führt er auf einer Barke an der Themse in London seine eigene Version der Odyssee vor (Erstaufführung im Jahre 1977 im Theater „Studio“). Kurz darauf bekommt er die Einladung nach Hollywood. 1987 führte er Regie seines ersten in Amerika gedrehten Films „Der Flug der Fichten-Gans“ nach seinem eigenen Buch „Kastania“. Danach dreht er ein Gangster-Drama „Prisoner of Rio“ – Eine Biographie des Ronald Biggs. Im Jahre 1995 ist er als Drehbuchautor und Produzent an der Produktion des Films „Basquiat – ein Tanz mit dem Tod“ von Julian Schnabel beteiligt.

Seine autobiographische Oper „Das Zimmer der Rehe“ (1997) wird als ständige Exposition im Museum der Gegenwartskunst in Buenos Aires ausgestellt.

Der in schwarz-weiß 1999 gedrehte Film „Wojaczek“ brachte ihm 23 Auszeichnungen auf den internationalen Festivals und die Mitgliedschaft der Europäischen Filmakademie. Im Jahre 2000 realisierte er den Film „Angelus“ (präsentiert während der 1. polnischen Filmwoche) und 2003 „Den Garten der Lüste“.

Im 2005 wurden zwei große Retrospektiven der Arbeiten von Lech Majewski veranstaltet: die erste in Buenos Aires und Mar del Plata in Argentinien, die zweite in London. In London liefen seine Filme gleichzeitig an der Britischen Filmakademie, in den Riverside Studios und den Curzon Cinemas, während die Whitechapel Art Gallery seine Videoarts zeigte.

Ein Jahr später erhielt das Werk von Janusz Majewski die Anerkennung der prestigeträchtigsten Gallerie der Welt: The Museum of Modern Art in New York veranstaltete im Mai 2006 eine individuelle Retrospektive seiner Arbeiten. Zur Eröffnung erfolgte die Premiere von " Blood of a Poet", Videoarts, die später die Grundlage für den Film "Glass Lips" bildeten. Die 33 Videoarts liefen gleichzeitig auf mehreren Wänden und großen Monitoren. Der MoMA - Kurator Laurence Kardish sagte zu den bewegenden Bildern, dass sie "die Gebiete der Psyche des modernen Menschen erforschen, die von anderen Medien vernachlässigt werden".

"Blood of a Poet" wurde im 2007 während der Berlinale gezeigt und wurde Teil der Weltkunstausstellung Biennale in Venedig.
 

"Die Arbeit als Regisseur erfordert eine Menge Verschnitt und auch eine gewisse Abscheu vor seinem Material. Nur wenn man das Drehbuch nicht mag, entsteht etwas wirklich Gutes." (Lech Majewski)

Polen - Dziennik | 11.06.2007
Lech Majewski über die Nicht-Darstellbarkeit der Welt:

"Ich erzähle von meinen eigenen, sehr persönlichen Empfindungen. Ich bemühe mich, tief in die menschliche Psyche vorzudringen. Oft entdecke ich helle und dunkle Seiten, die durch die Vielfalt ihrer Bedeutungen beeindrucken. Ich glaube fest an die Nicht-Darstellbarkeit der Welt – der Erfahrungen, Ansichten und Bilder, aus denen der Mensch besteht. Deshalb biete ich den Zuschauern selten eine wörtliche Übermittlung an, die etwas direkt suggeriert. Ich hege immer mehr Abneigung gegen das Wort an sich. Das Wort begrenzt uns durch seine Linearität und durch den Missbrauch. In 'KrewPoety' und 'Szklane Usta' benutze ich keine Worte und erweitere dadurch das Feld der Bedeutungen."